Eine Stiftung für Umweltmedizin

 

Zweck und Ziele

 

Obwohl umweltbedingte Krankheiten wie die Multiple Chemikalien-Überempfindlichkeit (MCS) oder das Chronische Erschöpfungssyndrom (CFS/ME) von der WHO beispielsweise unter ICD-10 T78.4 (MCS) bzw. ICD-10 G93.3 (CFS/ME) klassifiziert und damit anhand standardisierter Merkmalskataloge eindeutig diagnostizierbar und von anderen Krankheiten abgrenzbar sind, leiden betroffene Patienten besonders in Deutschland unter der Stigmatisierung und Diffamierung als psychisch bedingt Kranke durch Berufs-genossenschaften, Krankenkassen, Behörden und Gerichtsurteile, häufig mit der Begründung, dass die Symptomatik der Krankheit nicht von derjenigen psychischer Krankheiten abgrenzbar sei.

   Zudem ist bei konkreten Fällen ein gerichtsfester Kausalbeweis einer vorliegenden umweltbedingten Erkrankung oft nur schwer zu erbringen, weil geeignete diagnostische Merkmale und Labor-Parameter vor Gericht für einen Kausalbeweis angeblich wissenschaftlich nicht anerkannt seien und daher nicht akzeptiert werden.

    Die von den Gerichten bestellten Gutachten, die von „anerkannten“ Vertretern der Umweltmedizin aus Universitäten oder meist industrienahen Instituten erstellt werden,  lehnen in der Regel einen Umweltzusammenhang der in Frage stehenden Erkrankung ab und verweisen betroffene Patienten in psychiatrische Behandlung, oft mit verheerenden Folgen einer Fehltherapie mit Psychopharmaka.

  Zudem ist der Erkenntnisgewinn der Forschung zu umweltbedingten Krankheiten an Universitäten und anderen Forschungsinstituten in Deutschland, wir z.B. Robert-Koch-Institut, eindeutig von speziellen wirtschaftlichen Interessen abhängig, da diese Institute zunehmend von Drittmitteln aus der Industrie abhängig sind und folglich viele Zusammenhänge chronischer Krankheiten mit Umwelteinflüssen von vornherein und grundsätzlich ablehnen und grundsätzlich zwischen  organisch und psychisch/psychosomatisch bedingten Krankheiten unterscheiden. Diese Trennung ist nach aktuellem Stand der Wissenschaft jedoch obsolet.

 

Stiftungsziele: Wissenschaftliche Themen für eine mögliche Förderung

 

Eine geplante Stiftung „Umweltmedizin“ soll nicht den bereits anerkannten Beweis für Umweltfaktoren (z.B. chronische und akute Belastungen durch Chemikalien) als Ursache der verschiedenen Krankheitsbilder nochmals erbringen, da diese Krankheiten nach WHO ICD-10 bereits definiert und damit international anerkannt sind. Sie soll aber die wissenschaftliche Datenbasis für umweltbedingte Krankheitsbilder erweitern, auf den folgenden Gebieten:

 

n    Untersuchung labordiagnostischer Parameter auf ihre Aussagefähigkeit bezüglich verschiedener umweltbedingter Krankheitsbilder, um diese noch genauer voneinander abgrenzen zu können,

n    pathophysiologische und biochemische Mechanismen der verschiedenen Krankheitsbilder,

n    Genetische Faktoren für umweltbedingte Krankheiten: z.B. statistische Zusammenhänge zwischen bestimmten Gen-Polymorphismen und Krankheitsbildern, Zusammenwirken bestimmter Gen-Polymorphismen z.B. des Entgiftungssystems mit Umweltfaktoren (Vorschlag Dr. Schnakenberg),

n    Epigenetik: Einflüsse von verschiedenen Umweltfaktoren (Fremdstoffe, Strahlung, Stress) auf die Genaktivität beispielsweise des Entgiftungssystems und anderer relevanter Gene,

n    Epidemiologie des Zusammenhangs zwischen Umwelt-Einwirkungen und Auslösung chronischer  Krankheiten (Chemikalien-Überempfindlichkeit MCS, ME/CFS, neurodegenerative Krankheiten, Krebs) für bestimmte ausgewählte Schadstoffe, mit dem Langzeitziel, eine Liste von Schadstoffen als Auslöser chronischer Umweltkrankheiten aufzustellen,

n    Kombinationswirkungen verschiedener Umwelteinwirkungen, wie z.B. Chemikaliengemische, Umweltchemikalien und elektromagnetische oder radioaktive Strahlung, Umweltchemikalien und psychischer Stress;

n    Therapieverfahren für umweltbedingte Krankheiten: Dosierung, Anwendungsdauer, und Erfolg der Maßnahmen,

n    Bezüge und Übergänge zu anderen chronischen Multisystemkrankheiten: Allergien, Autoimmunkrankheiten, chronische Entzündungskrankheiten, Diabetes, kardiovaskuläre Krankheiten, Metabolisches Syndrom, Adipositas,  neurodegenerative und Demenz-Krankheiten, Krebs – epidemiologische, statistische und pathophysiologische Zusammenhänge.

 

Die Liste ist nicht vollständig. Die Forschungsthemen sollen in Projekten bearbeitet werden, die von wirtschaftlichen Interessen der chemischen und Pharmaindustrie unabhängig sind, um einen freien und wahrheitsgemäßen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zu gewährleisten. 

 

Vorschlag für Förderungsprojekte  einer geplanten Stiftung „Umweltmedizin“

 

n    Unterstützung von Forschungsprojekten mit dem Ziel einer Datenerhebung aus den Aufgabenfeldern der klinischen und epidemiologischen Umweltmedizin.  Alle Ergebnisse und Daten, auch negative, sollen  grundsätzlich veröffentlicht werden. Die Interpretation der Daten sollen in der wissenschaftlichen Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt werden. Abschließende Wertung von Ergebnissen und Daten sollen nicht Aufgabe der Stiftungsförderung sein.

 

n    Hierzu insbesondere Förderung von Doktorarbeiten und von jungen Wissenschaftlern, die sich in die oben beschriebene Thematik der Umweltmedizin einarbeiten wollen.

 

n    Bevorzugt sind Forschungsprojekte und Doktorarbeiten, die Daten zu Ursachen, Epidemiologie und  pathophysiologischen Mechanismen umweltbedingter Erkrankungen erheben.

 

n    Gefördert werden kann zudem die Einrichtung wissenschaftlicher Datenbanken für   

a)      Fachliteratur                                                                                                            

b)      Dokumentation umweltmedizinischer Krankheitsfälle (Falldatenbank) mit den verschiedenen umweltbedingten Krankheiten,

c)      In Frage kommen auch Datenbanken zu umweltbedingten Krebskrankheiten (Fälle, Literatur).

 

n    Förderung von Seminaren, Kongressen und Veranstaltungen zur umweltmedizinischen Forschung und des wissenschaftlichen Austausches, sofern keine anderen Sponsoren und Finanzquellen gefunden werden,

 

n    Langfristig kommt auch eine Förderung eines unabhängigen Lehrstuhls Umweltmedizin an einer deutschen oder deutschsprachigen Universität in Frage, um eine Gegenposition unabhängiger Erkenntnisgewinnung zum Monopol von Wirtschaftsinteressen bei den derzeitigen Universitätsinstituten für Umweltmedizin zu schaffen. Dies erscheint jedoch nur bei entsprechend hoher finanzieller Ausstattung der Stiftung möglich. 

 

n    Sammlung von Informationen und Unterstützung von Forschungsprojekten zum Umgang von Institutionen des derzeitigen Gesundheitswesens mit umweltbedingten Erkrankungen (Gutachterwesen, Gerichtsurteile und -Verfahren, Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Behörden, Gesundheitspolitik des Bundes und der Länder, der Parteien und Organisationen).

 

n    Unterstützung der Öffentlichkeitsarbeit und  der Aufklärung über umweltbedingte Krankheiten und deren Ursachen durch die Verbände und Interessengruppen  im Bereich Umweltmedizin (Ärzte- und Patientenverbände),

 

n    Finanzierung von wissenschaftlichen Gutachten zu Verfahren einzelner Betroffener mit besonderer allgemeiner Bedeutung und Präzedenzfall-Charakter. Die Inhalte der Gutachten sollen anonym veröffentlicht werden. (Die Stiftung kann und soll aber nicht die Aufgaben von Krankenkassen und Berufsgenossenschaften bei der Finanzierung von Therapie, Rehabilitation und der sozialen Absicherung von Betroffenen ersetzen.)

 

Bisheriger Stand der Diskussion und Entwicklung

 

Es gibt Verhandlungen und Kontakte zu Stiftungen mit ähnlicher Zielsetzung.

Diese sind

 

-         Pandora-Stiftung

 

-         Ethecon, Stiftung Ethik und Ökonomie

 

In den Satzungen beider Stiftungen werden grundsätzlich ähnliche Ziele formuliert, wie sie für eine Stiftung Umweltmedizin vorgesehen sind.

 

Ethecon nennt an erster Stelle der Zwecke der Stiftung „die Stärkung, Weiterentwicklung und Durchsetzung von Umwelt-, Verbraucher- und Arbeitsschutz sowie von sozialen Rechten und Gleichberechtigung in allen Bereichen ökonomischer Prozesse und Betätigung“.

 

Die Pandora-Stiftung sieht als Hauptzweck „die Förderung freier und unabhängiger Wissenschaft und Forschung als Gegengewicht zur Forschung, die von den Interessen des Staates und der Wirtschaft dominiert ist“

 

Nun kommt es darauf an, ob und wie eine Stiftung mit dem Ziel der Förderung einer unabhängigen Umweltmedizin unter einem gemeinsamen Dach mit den genannten Stiftungen organisiert werden kann.

  Ein Vertreter des Vorstands von Ethecon hat sich grundsätzlich bereit erklärt, die genannten Ziele einer Stiftung Umweltmedizin im Rahmen von Ethecon unterstützen zu wollen. Ob dies als Zustiftung oder als Stiftungsfonds innerhalb von Ethecon möglich ist, steht dahin. Da Ethecon eine Reihe von Bedingungen stellt, wie ehrenamtliche Arbeit in unklarem Umfang und erheblichen finanziellen Aufwendungen für Betreuung und Verwaltung, ist der Ausgang der Verhandlungen noch unklar.

  Die bislang zur Verfügung stehenden Mittel erscheinen zu gering, um eine effektive Stiftungsarbeit zu beginnen. Ethecon will sich nur engagieren, wenn die Mittel der Teilstiftung rasch aufgestockt werden. Andererseits erwarten Verbände und Organisationen wie EUROPAEM und dbu (Deutscher Berufsverband der Umweltmediziner), dass eine funktionierende Stiftung Voraussetzung für deren Engagement sein sollte.

 

Eine Stiftung Umweltmedizin im Sinne der angegebenen Ziele ist aber notwendig. Daher brauchen wir schon vorab die Erklärung der Bereitschaft von Interessenten, nach Gründung und Einrichtung der Stiftungsorganisation sich finanziell beteiligen zu wollen.

Adresse:

Dr. Hans-Ulrich Hill

Rudolfstr. 9

65197 Wiesbaden

Tel.: 0611-409401, E-mail: hans-ulrich.hill@online.de