Neue Studie des Umweltbundesamtes zur Häufigkeit von Kontakt-Allergien in der Bevölkerung

 

Eine neue Studie des Umweltbundesamtes, die 2004 veröffentlicht wurde, hat erwiesen, dass Chemikalien einen bislang weit unterschätzten Anteil  an der Gesamtzahl der allergisch sensibilisierten Patienten in Deutschland haben.

 

Zur Häufigkeit von Allergien:

In Deutschland sind etwa 15 bis 25% der Bevölkerung von atopischen Erkrankungen, d.h. Allergien im weitesten Sinne betroffen. Eine allergische Sensibilisierung ist sogar bei 1/3 der Bevölkerung nachweisbar, mit steigender Tendenz. Bei Schulkindern in Deutschland liegt die Häufigkeit (Prävalenz) für Asthma bei 4 bis 7%, für Heuschnupfen bei 12 bis 21% und für atopische Dermatitis bei 7 bis 18%. Der Anteil der Kinder, der an 2 oder 3 dieser Erkrankungen leidet, ist erheblich. (Schreiber,S., et al.: Das Krankheitsnetz „Umweltbedingte Erkrankungen“ im NGFN (Nationales Genom-Forschungs-Netz). GenomXPress 2, 2003, 11.)

Rund 7% der Bevölkerung Deutschland, d.h. mehr als 5 Millionen Menschen, erkranken jährlich am allergischen Kontaktekzem. Dieses bleibt dann meist ein Leben lang bestehen. Das Ekzem bildet sich nach direktem Kontakt mit allergenen Stoffen aus, nachdem eine frühere Sensibilisierung  mit dem gleichen Stoff bereits stattgefunden hat.  Die wichtigsten Kontaktallergene sind Nickel, Duftstoffe (näheres siehe unten) und Perubalsam mit Sensibilisierungsquoten von 16%, 10% und 9% bezogen auf die Gesamtzahl sensibilisierter Personen. Weitere wichtige Allergene mit Sensibilisierungsquoten über 2% sind Wollwachsalkohole, Kaliumchromat, Kolophonium, verschiedene Antibiotika und Antiseptika, Konservierungsstoffe, p-Phenylendiamin (ein Farb-Indikator), Terpentinöl, Quecksilber und Palladium (siehe unten die Liste). Die Ergebnisse stammen aus einem Forschungsprojekt „Untersuchungen zur Verbreitung umweltbedingter Kontaktallergien mit Schwerpunkt im privaten Bereich“ des „Informationsverbundes dermatologischer Kliniken“ im Auftrag des Umweltbundesamtes  (UBA), bei dem 67 322 Patienten von 1995 bis 2002 untersucht wurden.

 

Liste der wichtigsten chemischen Allergene

Stoff

Vorkommen/Verwendung

Sensibilisierungsquote

Nickel

Modeschmuck, Euromünzen

17% (2004)

Duftstoffe: etwa 3000 verschiedene Einzelstoffe:

- Eichenmoos

- Isoeugenol

Parfums, Waschmittel, Reinigungsmittel, Seifen

11,5%

 

6,8%

4   %

Chrom(IV)-Salze

Zement, Lederkleidung, Lederschuhe,

Chromsalze werden bei der Ledergerbung verwendet

k.a., aber über 2%

Farbstoffe, insbesondere verschiedene Azofarbstoffe

Haarfärbemittel

Textilfarben

k.a., aber über 2%

Formaldehyd

Desinfektionsmittel, Biozid, Ausgasung aus Kunststoff-Harzen, Möbel (Pressspan-Platten)

Unter 2%

Chlor-methyl-isothiazolinon (CIT)

Biozid, als Formaldehyd-Ersatzstoff verwendet,

in Wasser-basierten Dispersionsfarben

Stabil bei 2%

Methyl-dibromo-glutaronitril (Dibrom-dicyano-butan)

Konservierungsstoff in Kosmetika

Sensibilisieungsquoute seit 1990 “drastisch angestiegen

Terpentinöl

Lösungsmittel in Farben

2,4%

Propolis

Harzartiger, von Bienen produzierter Naturstoff, in Naturheilmitteln und Kosmetika

Über 2%

Kolophonium

Kleber, Flussmittel für das Weichlöten, Bogenharz für Streichinstrumente, Kühlschmierstoffe, Fluorid-Lacke, Depilierwachs

4,4%

Quecksilber

Amalgamfüllungen in Zähnen, Konservierungsstoffe für Arzneimittel, homöopathische Arzneimittel,

über 2%

Palladium

Zahnersatz-Material, Schmuck

6,7%

Epoxid-Harze

Kleber, Kunststoffe, Baustoffe,

2-Komponenten-Lacke, Farben, Glasfaser-Kunststoffe, häufig bei Windrotoren

Über 2%

(Tabelle wird später ergänzt und aktualisiert.)

 

Die besondere Bedeutung der Duftstoffe

Allein 2 bis 4% der Bevölkerung und 10% der Allergie-Patienten haben eine Typ-IV-Sensibilisierung gegenüber den häufigsten Duftstoffen erworben. Der mit einem „Duftstoffmix“ durchgeführte Sensibilisierungstest erfasst aber nur 60 bis 70% der tatsächlichen Duftstoff-Sensibilisierungen. Zu Typ-I-Sensibilisierungen auf Duftstoffe gibt es bis 2004 noch keine gesicherten Erkenntnisse.  Besonders unangenehme Duftstoff-Wirkungen, die offenbar nicht auf allergischen Mechanismen beruhen, treten bei Personen auf, die eine  starke Sensibilität auch gegenüber anderen Chemikalien erworben haben (MCS, Multiple Chemikalien-Sensitivität). In der Regel werden Düfte nicht mit Einzelstoffen, sondern mit Gemischen aus mehr als 100 Einzelsubstanzen erzeugt. Von den 2500 in Frage kommenden Duftstoffen sind die wenigsten in ihren toxischen Eigenschaften untersucht. (Umweltmed. Infodienst 1, 2004, 19 ff.).

Gerade deshalb muss der zunehmende Trend, öffentliche Innenräume gezielt zu „beduften“, um z.B. das Konsumentenverhalten in Kaufhäusern „positiv zu stimulieren“,  verurteilt werden. Es handelt sich meines Erachtens  um eine fahrlässige oder auch vorsätzliche Körperverletzung, gegen die wir uns entsprechend wehren können und sollten.  

 

Lit.: Schnuch, A., Geier, J., Lessmann, H., et al., Umweltbundesamt, WaBoLu-Hefte 1/2004,  zit. in Umweltmed. Infodienst 1, 2004, 6f.; Presseerklärung in www.eco-world.de/scripts/basics vom 22.4.04

 

Eigenes Fazit: Chemikalien haben einen weitaus größeren Anteil an der Auslösung von Allergien in der Bevölkerung als bislang angenommen. Inwieweit eine Chemikalien-Allergie dann zur Auslösung von MCS/CFS beiträgt, ist noch ungeklärt. Bei den Duftstoffen scheint  es jedoch hier einen engen Zusammenhang zu geben.  Es wird Zeit, dass die verantwortlichen staatlichen Institutionen (Umweltminister, Gesetzgeber) die allergen wirkenden chemischen Zusätze zu Lebensmitteln, Medikamenten, Kosmetka, Textilien, Gebrauchsgegenständen sowie die Duftstoffe in öffentlich zugänglichen Räumen verbieten!

 

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